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Berlin Highlights
Verlassene Orte in Berlin und Umgebung
5. März 2019
"Must-Sees Berlin

Pflanzen überwuchern Ruinen, die Menschen sind verschwunden. Doch einzelne Spuren weisen darauf hin: In diesen Gebäuden pulsierte einst das Leben. Wer die morbide Romantik verlassener Orte mag, findet in Berlin und der direkten Umgebung mehrere Sehenswürdigkeiten, die zu einem Tagesausflug einladen.

Spreepark

Der Spreepark im Plänterwald war der einzige größere Vergnügungspark der DDR. Seit seiner Eröffnung im Jahr 1969 erfreute er sich größter Beliebtheit. Nach der Wende übernahm eine westdeutsche Schaustellerfamilie den Betrieb und investierte in neue Fahrgeschäfte. Der Park zog für kurze Zeit noch einmal ein breites Publikum an, ging dann aber um die Jahrtausendwende in Konkurs. Die Betreiber nahmen einen Teil der Attraktionen kurzerhand mit nach Peru, wo sie einen neuen Park eröffneten. Doch auch der ging Pleite. Daraufhin wollte der Sohn der Familie ein Fahrgeschäft namens „Fliegender Teppich“ zurück nach Deutschland verschiffen. Doch die Polizei fand 167 Kilogramm Kokain in einem Hohlraum. Der Drogenschmuggler wurde zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt.

Die bizarre Geschichte um die Ex-Betreiber wurde Stadtgespräch und sogar zum Stoff eines Kinofilms namens „Achterbahn“. Der Spreepark verfiel und die Natur eroberte das über 23 Hektar große Gelände Stück für Stück zurück. Nach einer gescheiterten Zwangsversteigerung wurde der Spreepark Eigentum der Stadt. Seit 2016 wird das Gelände nun saniert. Dort entsteht nun ein ökologischer Kulturpark, der auch für Touristen attraktiv sein soll. Doch das alte Riesenrad steht immer noch und einige Teile des alten Parks sind weiterhin erhalten. Besucher können sich zu Führungen anmelden. Der Vorverkauf für die aktuelle Saison hat heute begonnen.

Olympisches Dorf von 1937

Etwas weiter entfernt vom Stadtzentrum liegt das Olympische Dorf. Das Nazi-Regime errichtete es für die Spiele von 1937, die es für die Propaganda nutzte. Während der Olympiade lebten hier 3.600 Athleten aus aller Welt. Wer die historische Anlage besichtigen möchte, muss ins brandenburgische Wustermark reisen. Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln ist der verschlafene Ort aber recht bequem zu erreichen, vom Goldhotel aus in etwa einer Stunde und 40 Minuten. Nach der Olympiade wurde das Areal als Infanterieschule und Militärkrankenhaus genutzt. Später zog die sowjetische Armee ein. Nach deren Abzug 1992 verfielen die denkmalgeschützten Gebäude.

2017 kaufte ein Investor, der auf Denkmalsanierung spezialisiert ist, das gesamte Olympische Dorf. Jetzt sollen am geschichtsträchtigen Ort 500 Wohnungen entstehen. 300 Millionen Euro werden dafür investiert. Die Bauarbeiten haben vor wenigen Tagen begonnen. Wer die Anlage noch einmal in ihrem jetzigen Zustand sehen möchte, kann sich bei der DKB Stiftung für Gruppenführungen anmelden.

Beelitz Heilstätten

Der wohl geheimnisvollste unter den verlassenen Orten im unmittelbaren Berliner Umland ist jedoch etwa 40 Kilometer südlich der Stadt zu finden: die Heilstätten in Beelitz. Vom Goldhotel aus erreicht man das ehemalige Sanatorium in etwa eineinhalb Stunden mit Bahn und Bus. Es wurde 1902 als Lungenheilstätte errichtet. Damals litten sehr viele Berliner Arbeiter an Tuberkulose. Die schlechten Arbeitsbedingungen in den Hinterhöfen verschlimmerten ihre Gesundheit, die frische Landluft sollte Abhilfe schaffen. Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahmen die sowjetischen Streitkräfte die Anlage. Doch nach 1994 standen die meisten Gebäude leer.

Seither verfielen die Backsteinbauten, Jugendliche randalierten in den Krankenhaustrakten und schlugen Scheiben kaputt. Die teilweise von Efeu überwucherten Ruinen entwickelten einen morbiden Charme, der an Horrorfilme erinnert. Besonders gruselig: Tatsächlich kamen seit den 1990er Jahren mehrmals Menschen in den Heilstädten gewaltsam zu Tode. Einige Fälle wurden in den bundesweiten Medien thematisiert. Das befeuerte Gerüchte. Gruselfans und selbsternannte Geisterjäger diskutierten sogar im Internet darüber, ob es in dem ehemaligen Sanatorium paranormale Erscheinungen geben könnte. Der Kinofilm „Heilstätten“ von 2018 basiert auf diesem Mythos. Die Stadt Beelitz war von ihrem fragwürdigen Ruf allerdings weniger begeistert.

Inzwischen wird auf dem Areal gebaut. Viele der alten Gebäude sind bereits saniert worden, außerdem entstanden Neubauten im klassischen Baustil. Wer sich über die Geschichte der Heilstätten informieren möchte, kann an einer Führung teilnehmen. Für Berlinbesucher bietet ein Ausflug zu einem der verlassenen Orte die Gelegenheit für Spaziergänge und außergewöhnliche Erlebnisse abseits des Trubels der Großstadt.

Foto: Beelitz Heilstätten / Wikicommons